LIFE-Projekt „Grünlandentwicklung zum Schutz gefährdeter Wiesenvögel im EU-Vogelschutzgebiete Unterer Niederrhein”
Ministerium fü Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
European Commission - Environment - LIFE Programme
Natura 2000 network - Environment - European Commission

02.04.2020 - Die Wiesenvögel sind aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück in der Düffel, eines ihrer wichtigsten Brutgebiete am Unteren Niederrhein. Die NABU-Naturschutzstation Niederrhein hofft auf eine gute Brutsaison, denn nach wie vor gehen die Bestände von Kiebitz und Uferschnepfe zurück, auch wenn sich die Zahlen des Großen Brachvogels stabilisiert haben. Vorbereitende und begleitende Maßnahmen von Naturschutz und Landwirtschaft sind angelaufen. Wie das letzte, außergewöhnlich trockene Jahr gezeigt hat, muss nun noch ein Umsteuern beim Wassermanagement in der Düffel stattfinden.

Noch kommen sie zuverlässig jedes Frühjahr an ihre alten Brutplätze zurück: Die Wiesenvögel, die in der Düffel zu Hause sind. Aber es werden von Jahr zu Jahr weniger Uferschnepfen und Kiebitze – das zeigen die aktuellen Zahlen. Der Bestand der Uferschnepfe sank mit acht Brutpaaren auf die bisher niedrigste Zahl. Insgesamt hat ihre Zahl seit 1978 um 88 Prozent abgenommen. Der Kiebitz-Bestand verringerte sich auf 106 Revierpaare. Das sind 58 Prozent weniger als 1978. Der Rotschenkel konnte mit drei Revieren nachgewiesen werden und damit immerhin mit einem mehr als im Vorjahr. Er kam 1978 mit vier Revieren vor. Der Bestand des Großen Brachvogels ist seit den letzten zehn Jahren relativ stabil. Er spricht auf die Schutzmaßnahmen bisher am besten an. Gegenüber 1978 ist sogar ein Plus von 125 Prozent zu verzeichnen. Die Bekassine konnte wie auch in den vergangenen Jahren nicht mehr als Brutvogel in der Düffel nachgewiesen werden.

Um die Bestände der seltenen und bedrohten Vögel zu schützen, sind verschiedene Maßnahmen durchgeführt worden bzw. geplant. In Vorbereitung der Brutsaison wurden Hecken gestutzt, damit Beutegreifer wie Fuchs oder Greifvögel weniger Gelegenheit haben, die versteckt in der Wiese brütenden Tiere zu erspähen und ihre Nester auszuräumen. Auf einer Wiese, auf der viele Nester der standorttreuen Tiere erwartet werden, wurde ein Elektrozaun zum Schutz vor dem Fuchs aufgestellt. Außerdem wurde eine aktive Bewässerung aufgebaut, um eine Fläche bis in das späte Frühjahr hinein feucht zu halten. Das ist unter anderem wichtig, weil Wiesenvögel im Boden nach Nahrung in Form von Insekten und Würmern stochern und dies bei zu trockenem Boden unmöglich wird. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Bewirtschaftungsruhe der Landwirtschaft. Auf den Naturschutzflächen erhalten die Pächter eine Nachricht, sobald die Brutsaison abgeschlossen ist, und können dann mähen. Auf anderen Flächen suchen Kartierer des Kreises Kleve nach den versteckten Nestern und markieren sie, so dass sie umfahren werden können. So werden die Eier nicht beschädigt, auch wenn das Vorgehen kein Schutz für Jungtiere ist, die nicht fliegen können und noch sehr klein sind. Die größeren Küken werden bei der Mahd von einem hohen Ton, dem so genannten Wildretter verscheucht, der auf den Mähwerken angebracht ist.

Wenn die Bestände der Wiesenvögel langfristig stabilisiert werden sollen, ist es notwendig das Wassermanagement anzupassen. In den wichtigsten Brutgebieten müssen zusammenhängende Flächen für den Naturschutz zur Verfügung stehen, damit – wie im Naturschutzgebiet Hetter – Staue in den Entwässerungsgräben das Wasser lange auf den Flächen halten können. Wie wichtig das ist, zeigten die letzten beiden trockenen Jahre, in denen der Boden so ausgetrocknet war, dass er Risse bekam – keine Chance, nach Nahrung zu stochern.

Viele der Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Vögel finden im Rahmen des EU-LIFE+-Projekts „Grünland für Wiesenvögel“ statt. Ziel der EU ist dabei nicht nur, diese Arten zu erhalten, sondern zugleich allen Beteiligten – von Politikern über Landnutzern bis hin zu unbeteiligten Bürgerinnen und Bürgern – die Verantwortung und den Wert gefährdeter und bedrohter Pflanzen- und Tierarten zu vermitteln.