LIFE-Projekt „Grünlandentwicklung zum Schutz gefährdeter Wiesenvögel im EU-Vogelschutzgebiete Unterer Niederrhein”
Ministerium fü Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
European Commission - Environment - LIFE Programme
Natura 2000 network - Environment - European Commission

Das LIFE-Projekt „Grünland für Wiesenvögel“ wird von der EU verlängert. Nicht alle vorgesehenen Maßnahmen konnten im geplanten Projektzeitraum bis März 2021 umgesetzt werden. Die Projektfortschritte und die Unterstützung durch das Bundesumweltministerium (BMU), das Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MULNV) und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) konnten die EU überzeugen, das Projekt bis 2025 fortzuführen.

Sie sind ein echter Niederrheinischer „Schatz“, der gehütet werden muss, auch wenn viele Menschen sie und ihre Küken noch nie zu Gesicht bekommen haben: die heimischen Wiesenvögel. „Jedes Jahr im Frühling geht mir das Herz auf“, sagt Susanne Klostermann, Projektleiterin bei der NABU-Naturschutzstation, „wenn ich ab Ende Februar den flötenden Ruf des Großen Brachvogels höre und die balzenden Kiebitze mit der lustigen Federtolle auf dem Kopf über die Wiesen gaukeln sehe.“ Dann sind die Wiesenvögel aus wärmeren Gefilden wieder am Unteren Niederrhein. Auch die sehr selten gewordenen Uferschnepfen kehren Anfang März nach 5.000 Flugkilometern aus Afrika zurück an ihre alten angestammten Brutplätze in der Düffel, um dort ihre Nester zu bauen und ihre Küken großzuziehen.

Nach dem anstrengenden Flug heißt es für alle Zugvögel erst einmal wieder zu Kräften kommen und viel Nahrung für die energiezehrende Zeit der Eiablage und des Brutgeschäfts aufzunehmen. Eiweißreiche Nahrung finden die Vögel auf weiten offenen landwirtschaftlichen Flächen, wo sie mit ihren langen Schnäbeln im weichen, feuchten Boden etwa nach Insektenlarven und Regenwürmern stochern.

„Die Wiesenvögel brauchen unseren besonderen Schutz“, sagt Klostermann, „denn Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel und Co sind Bodenbrüter. Damit sind sie stärker als andere Vögel gefährdet, etwa wenn die Flächen bewirtschaftet werden, aber auch durch ihre natürlichen Feinde wie den Fuchs.“ Deshalb ist es wichtig, dass die wertvollen Gelege in der Düffel besonders gesichert werden. Auf den Naturschutzflächen halten die Landwirte eine Bewirtschaftungsruhe bis zum Abschluss des Brutgeschäfts der Vögel. Auf Privatflächen werden die Gelege von vom Kreis beauftragten Kartierern intensiv gesucht, dann markiert und so erfolgreich vor maschineller Zerstörung bewahrt.

Zusätzlichen Schutz erhalten die Nester durch den Aufbau von Elektro-Zäunen um die Flächen, wo kleinere Kolonien der sehr standorttreuen Wiesenvögel zusammen brüten. Dass sich das Aufstellen der Schutzzäune lohnt, zeigen die Bruterfolge der letzten Jahre: So kamen beispielsweise im letzten Jahr auf einer mit E-Zaun geschützten Fläche neun Kiebitzgelege erfolgreich zum Schlupf. Mit dem Zaun kann vorgebeugt werden, dass die Eier etwa vom Fuchs als Leckerbissen „mitgenommen“ werden. Füchse sind vor allem dort unterwegs, wo die Flächen trocken sind und sie ihre „Leibspeise“ Maus häufig finden.

Die Dürre der letzten Jahre und die Vertiefung der Rheinsohle trocknet die feuchten Wiesen in der Auenniederung Düffel immer mehr aus. Daher ist es wichtig, in den nächsten Jahren die seit langem geplanten Maßnahmen für einen verbesserten Wasserhaushalt umzusetzen. Das sorgt für feuchte Wiesen mit nassen Stellen und vielen Insekten. Diese brauchen die Wiesenvögel auch für die erfolgreiche Aufzucht der Küken, denn die Küken sind Nestflüchter, die sich vom ersten Tag an ihr Futter selbst suchen.

„Dass der Wiesenvogelschutz einen wichtigen Stellenwert in NRW hat, sieht man unter anderem daran, dass gerade ein landesweites Projekt mit insgesamt zwölf Partnern gestartet ist“, erläutert Klostermann. Auch in anderen Projektgebieten der NABU-Naturschutzstation Niederrhein ergänzt dieses neue Projekt die Bemühungen um den Wiesenvogelschutz in der Düffel. Zu guter Letzt meint sie: „Alle, die jetzt bald draußen mit dem Kartieren – also dem Erfassen der Vögel – beginnen, brennen schon darauf, die ersten Küken zu sehen. Dann wissen wir einfach, wofür wir Wiesenvogelschutz machen.“

Rotschenkel auf einem Solarmodul,
das eine aktive Bewässerung auf einer Wiesenvogelfläche in der Düffel betreibt
(Fotografin: Stefanie Heese)