LIFE-Projekt „Grünlandentwicklung zum Schutz gefährdeter Wiesenvögel im EU-Vogelschutzgebiete Unterer Niederrhein”
Internetangebot des Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW
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EU-Vogelschutzgebiet "Unterer Niederrhein"

Griethauser Altrhein (Foto: D. Doer)

Als sich in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zeigte, dass die Bestände verschiedener Vogelarten stark zurückgingen, versuchten Behörden und Naturschutzverbände, dem Artenverlust am Niederrhein entgegenzuwirken.



So wurde in den 1980er Jahren die gesamte aktuelle Rheinaue und Teile der ehemaligen Aue zwischen Duisburg und Kranenburg als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung gemäß RAMSAR- Konvention (benannt nach der Tagungs-Stadt im Iran) und als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Als Vogelschutzgebiet gehört der „Untere Niederrhein“ zum europaweiten Schutzgebiets-Netzwerk NATURA 2000 der Europäischen Union.

Bienener Altrhein (Foto: D. Doer)Grünland mit Wiesenschaumkraut in der Hetter (Foto: D. Doer)Trotz der frühen Benennung des Gebiets wurde in den nachfolgenden Jahrzehnten zu wenig für den konkreten Schutz der wichtigen Vogelarten getan. Der Bestandsrückgang setzte sich leider massiv fort. Daher startete die EU-Kommission in den 2000er Jahren ein Beschwerdeverfahren gegen das Land NRW, das sich zu wenig um den Schutz des Niederrheins gekümmert haben soll. Das Verfahren wurde schließlich mit einem Kompromiss eingestellt: Das Vogelschutzgebiet wurde etwas vergrößert und das Land verpflichtete sich zur Aufstellung und Umsetzung eines Maßnahmenkonzepts für das Gebiet. Heute umfasst das Gebiet eine Größe von ca. 25.000 Hektar und zählt zu den größten Schutzgebieten Nordrhein-Westfalens. Die NABU Naturschutzstation Niederrhein betreut seit mehr als 20 Jahren mehrere Naturschutzgebiete im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“. Dazu zählt auch das für das Projekt wichtige Naturschutzgebiet "Düffel, Kellener Altrhein und Flussmarschen".

 

Bedeutung für Wert gebende Vogelarten

Landende Uferschnepfe auf Zaunpfahl in der Düffel (Foto: D. Doer)Weißstörche suchen Nahrung auf Wiese in der Düffel (Foto: D. Doer)Blässgänse (Foto: S. Sczepanski)Sei es als Brutgebiet für die Uferschnepfe, Wachtelkönig, Trauer- oder Flussseeschwalbe oder als Rastgebiet für arktische Wildgänse und Entenarten; der Niederrhein hat eine wichtige bundes- und landesweite Bedeutung für den Bestandserhalt verschiedener Brut- und Rastvogelarten.

Im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“ brüten vier Fünftel des landesweiten Bestandes der Flussseeschwalbe, sowie die einzige Kolonie der Trauerseeschwalbe in Nordrhein-Westfalen.

Die unterschiedlichen Landschaftselemente bieten vielen verschiedenen Vogelarten einen geeigneten Lebensraum: Flussregenpfeifer und Uferschwalben fühlen sich an steilen Uferabbrüchen und heutzutage vermehrt in den Kiesgruben wohl. Rotschenkel, Großer Brachvogel und Wachtelkönig besitzen bedeutende Vorkommen in den Feuchtwiesen. Heckensäume, Kopfbäume und Streuobstwiesen bieten der Hohltaube und dem Steinkauz optimale Lebensbedingungen. Besonders für letzteren sind die Bestände von überregionaler Bedeutung.

In der kalten Jahreszeit überwintern zwischen 140.000 bis 180.000 Bläss-, Saat- und Weißwangengänse am Niederrhein. Hinzu kommen tausende Graugänse und Pfeifenten als auch die hier selten beobachteten Arten Ringel-, Rothals-, Kurzschnabel- und Zwerggans.

Trotz alledem zeigen 40 Prozent der wichtigen Brutvogelarten seit der Ausweisung des Vogelschutzgebietes 1983 eine abnehmende Tendenz. Besonders schwerwiegend sind die Bestandsrückgänge bei Wiesenwatvögeln wie Uferschnepfe und Bekassine.  Die Zahl der rastenden Kiebitze ist von den 1990er Jahren von 100.000 Individuen bis auf aktuell 20.000 gesunken. Auch andere Arten wie Kampfläufer, Bruchwasserläufer oder Dunkler Wasserläufer verzeichnen sinkende Bestandszahlen.

Doch auch positive Entwicklungen lassen sich verzeichnen: Die Brutbestände des Weißstorchs, des Großen Brachvogels, der Flussseeschwalbe und des Blaukehlchens sind dank der Schutzbemühungen gestiegen. Das zeigt, dass Naturschutzmaßnahmen greifen und diese positive Auswirkungen auf die Artenvielfalt haben können.