LIFE-Projekt „Grünlandentwicklung zum Schutz gefährdeter Wiesenvögel im EU-Vogelschutzgebiete Unterer Niederrhein”
Internetangebot des Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW
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Brutvögel

Fliegender Kiebitz (Foto: A. Barkow)

Wenn im zeitigen Frühjahr die Sumpf-Dotterblumen blühen und sich das Wiesenschaumkraut wieder zeigt, beginnen die ersten Wiesenvögel mit ihrer Balz. Der Kiebitz führt seine akrobatischen Balzflüge vor und die Feldlerchen jubilieren über den noch nassen Wiesen.

Landende Uferschnepfe auf Zaunpfahl in der Düffel (Foto: D. Doer)Großer Brachvogel auf Schlammfläche (Foto: R. Schmitz)Der selten so frei zu sehende WachtelkönigRotschenkel steht auf einem Zaunpfahl (Foto: D. Cerff)Bekassine sitzend auf Zaunpfahl (Foto: W. Rolfes/NABU)Weißstörche suchen Nahrung auf Wiese in der Düffel (Foto: D. Doer)Bald schon gesellen sich Uferschnepfe und Großer Brachvogel dazu. Mit dem Wiesenpieper, der Wiesenschafstelze und dem Schwarzkehlchen gehören diese Arten zu den landes- und zum Teil bundesweit gefährdeten Wiesenvogelarten. Am Unteren Niederrhein kommen sie noch als Brutvögel vor. In einzelnen Jahren kann auch der Wachtelkönig, sehr selten auch die Tüpfelralle in den extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen brüten.

An wenigen Stellen in der Düffel findet man sogar noch den Rotschenkel. Dessen wunderschönen, flötenden Gesang hört man jedoch nur noch dort, wo sich feuchtes Grünland in extensivierter Nutzung mit naturnahen Senken und flachen Wasserstellen befindet.

Viele der jetzt noch vorhandenen Brutvorkommen profitieren davon, dass sich andere Gebiete aus der Umgebung noch stärker verschlechtert haben und somit der Bestand sich auf dieses Gebiet konzentriert. Zum anderen haben viele Wiesenvögel eine hohe Lebenserwartung und sind sehr brutortstreu. Das führt dazu, dass man Verschlechterungen im Wiesenvogelgebiet nicht immer gleich erkennt. Zum langfristigen Erhalt der Bestände muss aber unbedingt etwas unternommen werden. Das zeigt die Entwicklung der Wiesenvogelbestände in den letzten Jahren und Jahrzehnten.

Um die Wiesenbrutvogelbestände zu bewerten und deren Entwicklung zu analysieren, muss man die jährlichen Veränderungen genau kennen. Hierzu ist eine alljährliche Brutvogelerfassung notwendig. Man nennt die Methode dazu Revierkartierung. Diese wird zwischen März und Juni mit immer gleicher Methode durchgeführt. Die Revierkartierung gibt Aufschluss darüber, wie viele (Brut-)Reviere einer Art vorhanden sind, bzw. festgestellt wurden. Der Vergleich dieser Ergebnisse über die Jahre hinweg beschreibt den Bestandsverlauf. Bei vielen Feuchtwiesenarten ist der leider negativ, das bedeutet, dass jedes Jahr weniger Reviere bzw. Vogelpaare festgestellt werden können.

Mit diesem Projekt soll erreicht werden, dass die Bestände der Wiesenvögel wieder ansteigen.

Kiebitzküken drückt sich in die Wiese (Foto: A. Barkow)Über die Ursachen dafür, dass viele Wiesenvögel seltener werden, wurde schon viel geforscht. Der wichtigste Grund ist die Verschlechterung der Lebensräume. Wiesenvögel brauchen im Frühjahr nasse Wiesen, die erst spät gemäht werden. In der Zwischenzeit können die Vögel auf dem Boden brüten und ihre Jungen großziehen. Weil die Küken Insekten fressen, sind blütenreiche Pflanzen wichtig, denn dadurch werden viele Insekten angezogen. Um solche Wiesen zu erhalten, dürfen aber nicht zu viele Kühe auf der Weide stehen und es darf auch nicht früh und nicht zu oft gemäht werden. Das aber ist nach den heutigen Erfordernissen in der modernen Landwirtschaft notwendig. Außerdem darf die Wiese für eine frühe erste Mahd auch nicht nass sein. Also wurden und werden viele Wiesen, insbesondere in der Niederung am Niederrhein entwässert. Die Folge ist, dass die Wiesen austrocknen, Blütenpflanzen verschwinden und dichtes Gras dominiert. Die Wiesenvögel haben kaum noch Möglichkeiten im Boden nach Nahrung zu stochern. Die Nester werden bei der Mahd zerstört und die wenigen Küken, die schlüpfen, finden kaum noch Insekten.

Geeignete Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung für Wiesenvögel sind also das Zurückhalten des Wassers auf den Wiesen, z.B. durch Erhöhen des Grundwasserspiegels. Eine extensive Bewirtschaftung mit einer späten ersten Mahd, dem Verzicht auf Dünger, der das Gras fördert und der Verzicht auf den Einsatz von Spritzmitteln gegen Blütenpflanzen und Insekten hilft den Wiesenvögeln.